Erlebnisse vom 28.08.1988

 

Als ich mich vor 13 Jahren aufmachte einen schönen Sonntag in Ramstein auf der Air Base zu erleben, konnte ich mir noch nicht vorstellen welche Auswirkungen dieser 28.08.1988 auf mein Leben haben würde. 

Ich fuhr morgens gegen 8:30 Uhr zur Base, die nur ungefähr 20 km von meinem Wohnort entfernt liegt. Ich schaute mir, wie in den Jahren zuvor, die ausgestellten Flugzeug an, was mich sehr interessierte da ich begeisterter Modelpilot war und mich diese Maschinen sehr faszinierten.

Den ganzen morgen verbrachte ich auf dem Ausstellungsgelände und begab mich erst gegen 11 Uhr zur Startbahn, wo schon einige Modelpiloten ihre Maschinen flogen. Es war schon toll wie viel Arbeit und Mühe sich alle machten die Maschinen so getreu wie möglich ihren Originalen nachzubauen. Als kurz nach Mittag die Flugvorführungen begannen, versuchte ich noch meinen Vater zu finden - mit dem ich mich um 13 Uhr am Tower verabredet hatte- doch wir verfehlten uns. Ich hatte ihm versprochen ihn vor die Absperrung mitzunehmen, da ich durch mein Hobby viele Kontakte zu den Modelpiloten hatte und ich Jahre zuvor schon dort gestanden hatte. Also begab ich mich wieder Richtung Startbahn um mir die Vorführung anzuschauen, die mich immer sehr faszinierte, da man manche Flugfiguren sehr gut nachfliegen konnte Es war schon toll zu sehen wie die Piloten ihre Manöver flogen, vor allem die Kunstflieger von denen ich immer sehr begeistert war. So verging der Nachmittag, obwohl ich alleine war wie im Flug und die letzten Kunstflieger die Freece Tricolori machten sich bereit ihre Vorführung zu beginnen. Nach ein paar Überflügen setzten sie an die Flugfigur das „Durchstoßene Herz“ zu fliegen. Die Formation stieg auf (alle 10 Maschinen) senkrecht zogen sie nach oben, wobei sie sich teilten um sich am Ende des Loopings über der Startbahn wieder zu treffen. Nur der Solopilot Ivo Nutarelli teilte sich von der Gruppe und flog einen Looping gedreht zu der Formation, so dass er sich aus einer anderen Richtung dem Treffpunkt näherte. Es sah alles sehr gut aus und das Herz war auch schon gut zu erkennen, aber die Bahn des Solopiloten kreuzte die der anderen neun Maschinen so, dass es zur Kollision des Solopiloten  mit dem Anführer der 5er Formation kam. Der wiederum mit einer Maschine aus seiner Formation kollidierte alle drei Maschinen stürzten ab, wobei der Solopilot auf die Zuschauermenge zuraste- in der auch ich stand . Man hörte nur einen dumpfen Schlag und sah einen Feuerball am Himmel - viele Menschen nahmen gar nicht war was da passierte. Mir aber war klar, dass dies nicht zum Programmteil gehörte, aber durch die vielen Menschen um mich herum konnte ich mich auch nicht von meinem Platz entfernen. Dann aber brach die Panik aus, ich wurde umgerissen und von vielen Menschen überrannt. Ich sah wie die anderen zwei Maschinen auf der Startbahn aufschlugen und ich sah die eine Maschine auf uns zukommen. Ich versuchte aufzustehen - was mir wiederum nicht gelang - da die Menschen ein weiteres mal über mich rannten. Durch die veränderte Position trat mir jemand beim aufstehen in mein linkes Knie, in diesem Moment muss die Maschine aufgeschlagen sein,  mir gelang es nun aufzustehen und davon zulaufen. Ich konnte mich gerade noch hinter einen Container flüchten (weiß bis heute noch nicht wie ich dahin kam), denn in diesem Moment ging die Feuerwalze über uns nieder. Der Container hinter dem ich stand rette mir das Leben. Die Hitze in der ich stand war unbeschreiblich und ich dachte schon ich müsste verbrennen. Die Hitze war so groß, dass der ganze Sauerstoff in der Luft weg war und ich nicht mehr atmen konnte. Was hinter mir geschah konnte ich nur erahnen, denn ich wusste, dass die Maschine in die Zuschauermenge gestürzt war - unmittelbar hinter mir.

Ich stand auf der linken Seite des Containers wo Kühlaggregat und Reifen mich vor schlimmen Verbrennungen geschützt hatten. Nun versuchte ich auf die rechte Seite zu gelangen, da ich dachte die Maschine wäre noch nicht ganz auseinandergebrochen und der restliche Sprit würde sich noch entzünden. Ich wollte gerade hinter dem Container hervor als erneut ein paar Explosionen zu hören waren. Da aber nichts weiter passierte hielt mich nichts mehr hinter dem Container und ich versuchte mich in Sicherheit zu bringen. Was ich sah als ich hinter dem Container hervorkam  war unbeschreiblich  - überall lagen verbrannte Menschen, einige rannten herum und brannten, vielen hing die Haut vom Körper bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Menschen sah ich, was mich auch heute - nach 13 Jahren - noch schwer belastet

Ich versuchte mich von dem Ort des Grauens fortzubewegen, was mir nur mäßig gelang, da ich dachte ich hätte mir das Knie verstaucht. So kam ich auch nur ca. 50 Meter weiter und wurde da nach kurzer Zeit  “aufgesammelt und zu einem zentralen Sammelplatz gebracht.

Dort saß ich bei den Schwerstverletzen und es roch nach verbranntem Fleisch und nach verbrannten Haaren. Ich hielt es dort nur kurze Zeit aus und versuchte mich von diesem Ort zu entfernen, auch dieses mal kam ich nicht sehr weit und wurde wieder zurück an den Ausgangsort gebracht - wo mittlerweile noch mehr Menschen zusammenlagen. Die Toten wurden schon in Autos verladen  - ein drittes mal versuchte ich diesen Ort zu verlassen und ich kam wieder nur ca. 50 bis 80 Meter weit. Mittlerweile waren schon ca 20 Minuten seit dem Absturz vergangen und ich setzte mich auf die Wiese mit dem Rücken zur Unglücksstelle - ich konnte diese grauenhaften Bilder nicht mehr sehen und wünschte mir ohnmächtig zu werden. Ein älterer Herr kam auf mich zu und fragte was mit mir los wäre, ich sagte Ihm ich hätte eine Verstauchung am Knie. Er sah mich an und gab mir seine Phototasche die ich mir unter das Knie stellen sollte, ich tat es auch und ich fühlte mich  gleich besser.

Kurze Zeit später wurden das Gelände von der Polizei abgesperrt. Die Polizei drängte die Menschen von der  Unglücksstelle weg , einer trat mir sogar ins Kreuz und sagte ich sollte mich auf den Weg machen. Der Mann der mir seine Phototasche gegeben hat fragte, ob sie nicht sehen was mit mir los wäre. So ließen Sie mich sitzen und mir gelang es gerade noch diesem Herrn seine Phototasche wieder zu geben . Ich habe ihn nie wiedergesehen um mich zu bedanken.

Kurze Zeit später wurde ich wieder aufgesammelt und zu einer Sammelstelle gebracht .Ich wurde getragen und unterwegs stießen wir noch mit einigen Menschen zusammen, die Bilder von den Opfer machten, was mir in meinem Bein sehr weh tat. Wieder an einer Sammelstelle angekommen gab es kein Entkommen mehr, ich wurde auf einen offene VW Transporter geladen und zum Krankenhaus in der Base gefahren. Diese war aber schon restlos überfüllt , so dass wir nicht mal auszusteigen brauchten.

Wir das waren zwei erwachsene und vier Kinder im Alter zwischen 6 und 10 Jahren. Wir standen vor dem Krankenhaus als ein Hubschrauber versuchte zu landen. Ein Metallteil das in der Nähe lag fing an sich durch den Sog auf uns zu zu bewegen, der Pilot sah das und gab Gas wodurch das Metallteil in eine andere Ecke geschleudert wurde wo es auch liegen blieb.

Von da aus ging es nach Landstuhl ins Militär Hospital wo wir unseren Wagen verließen und uns ins Hospital begaben. Wieder waren überall Schwerverletzte zu sehen . Aber nach wiederum 45 Minuten ohne Behandlung musste ich die Einrichtung wieder verlassen. So ging es mit einem Armee Bus weiter Richtung Homburg, wo wir am Abend um ca. 21 mit ca. 15 Verletzten und zum Teil Schwerverletzten ankamen  - darunter war auch ein Säugling.

Nach einiger Zeit , die ich auf den Flur der Klinik verbrachte und mit Ansehen musste wie Schwerverletzte behandelt wurden,  stellte sich bei mir ein Gefühl der Wärme in meinen Beinen ein. Ich dachte ich hätte mir in die Hose gemacht,  aber ich sah nicht das die Hose dunkler wurde und so kniff ich mir in die Oberschenkel und merkte das ich kein Gefühl mehr in den Beinen hatte. Ich dachte ich hätte mit etwas im Kreuz  zugezogen und rief die Schwester, die sich auch gleich um mich kümmern wollte. Aber kurz darauf bekam ich solche Schmerzen,  dass ich wiederum eine Schwester rufen musste . Mein Knie war mittlerweile so angeschwollen, dass die Naht der Hose mir ungeheure Schmerzen bereitete. Eine Krankenschwester kam vorbei und Schnitt mir die Hose auf,  danach ging es mir etwas besser. Kurz darauf wurde ich behandelt und geröntgt ,wobei man feststellte, dass ich einen Bruch im linken Knie erlitten hatte. Vier Tage habe ich im Homburg gelegen mit großen Schmerzen bis ich endlich operiert werden konnte. Nach 4 Wochen in der Universitätsklinik Homburg durfte ich das Krankenhaus wieder verlassen und kam nach Hause. Die Krankengymnastik und die Nachuntersuchungen wurden fortgesetzt und so vergingen die Tage. Ich dachte es wäre alles in Ordnung und merkte nicht wie ich mich veränderte. Ich wurde immer unruhiger und konnte fast keine Nacht mehr schlafen - so vergingen fast drei Monate.

Einen Tag vor  Weihnachten fuhr ich mit meiner Frau zu unserem Anwalt nach Kaiserslautern was nach einer halben Stunde erledigt war. Meine Frau wollte noch ein Geschenk besorgen und wir gingen zum Hertie. Im Verlauf des Morgens merkte ich, dass ich immer unruhiger wurde und sagte das ich nach hause möchte. Wir standen vor dem Kaufhaus und mein Frau ging in das Geschäft , in diesem Moment bekam ich eine solche Angst und Panik, dass ich das Gefühl hatte ich müsste sterben. Ich fiel hin und muss für ganz kurze Zeit bewusstlos gewesen sein. Auf einmal merkte ich das meine Frau wieder bei mir war. Sie half mir mich aufzusetzen und es wurde ein Notarzt gerufen, der mich ins Klinikum Kaiserslautern bringen sollte. Da aber der Rettungswagen klein war und sehr wenig Platz in diesem war bekam ich beim einladen die nächste Panikstake, so dass es unmöglich war mich mit diesem Wagen abzutransportieren. Es wurde ein größerer Wagen angefordert der mich ins Krankenhaus brachte Ich wurde untersucht und man stelle fest das ich hyperventiliert hatte, ansonsten aber alles in Ordnung wäre. Ich wurde in einen Ruheraum gelegt, wo ich mich beruhigen sollte. Doch als die Ärzte das Zimmer verließen und ich alleine war bekam ich sofort wieder eine Panikattacke, ich schlug mit der Fast gegen einen Schrank, ein Arzt kam herbei und fragte was los sei. Ich sagte ich hätte große Angst und bekam keine Luft mehr. Er sagte es sei alles in Ordnung und er hätte noch mehr Leute die zu behandeln, aber sobald er aber den Raum verließ war die Panik wieder da und das ging so lange bis meine Frau zu mir gebracht wurde die mittlerweile im Krankenhaus angekommen war.

Nach einem ca. einstündigen Aufenthalt im Klinikum Kaiserslautern wollten wir gerade nach Hause fahren als ein Arzt uns nahe legte bei ihm vorbeizuschauen.

Dieser Arzt  war nur zufällig im Klinikum, denn er hatte schon Urlaub und wollte nur etwas aus seinem Büro holen, als er vom Personal auf mich aufmerksam gemacht wurde.

Durch diesen glücklichen Umstand kam ich so zu Dr. Jatzko der mir empfahl mich stationär behandeln zu lassen - was ich auch tat 

Einige Monate später wurde die NACHSORGEGRUPPE RAMSTEIN ins Leben gerufen.

In der ich auch heute - nach über 13 Jahren - noch bin.

Die Zeit nach dem Unglück konnte ich nur überleben und bewältigen, weil meine Frau und Dr. Jatzko so zu mir gestanden haben und mich immer wieder aufgebaut haben - was wohl nicht immer leicht war

 

Dafür Danke ich euch .

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