Meine“ tolle“ Kur

Als es mir gesundheitlich mal wieder nicht so gut ging, überredete mich meine Frau ich sollte doch mal zur Kur fahren das würde mir sicher gut  bekommen.

Nach einiger Zeit entschloss ich mich dies zu machen - also zum Arzt und eine Kur beantragt dieser lehnte erst mal ab und sagte ich brauche so was nicht.

Also zur AOK und ein Antrag geholt, fertig gemacht und wieder zum Arzt.

Mit einer schiefen Mine gab er nun doch seine Zustimmung.

Antrag abgesendet und schon nach kurzer Zeit erhielt ich eine Zusage von der psyschsomatischen  Klinik im Bad Kreuznach für eine Kur über 6 Wochen.

Die Anreise war Dienstags und pünktlich um 9 Uhr war ich zur Stelle. Es wurde mir ein Doppelzimmer zugeteilt. Obwohl ich ein Einzelzimmer wollte wurde dieses rigoros abgelehnt und mir mitgeteilt, dass würde es in dieser Klinik nicht geben - zumindest nicht in der ersten Woche. ( Später erfuhr ich das andere Patienten schon vom ersten Tag an ein Einzelzimmer hatten)

Also gut - das neue Zimmer gesucht, mein Zimmerkollege war schon da. Wir begrüßten uns und Hans so war sein Name war mir schon von Anfang an sympathisch..

So verging der Morgen es gab Mittagessen in einer Kantine, dies war ein Raum in dem ca. 100 Personen Platz hatten. Ich fühlte mich schon von Anfang an an diesem Ort sehr unsicher - da ich Orte mit sehr vielen Menschen meide

Ich versuchte was zu essen, aber nach einigen Minuten musste ich diesen Ort verlassen. Die Geräuschkulisse und die vielen Menschen machten  mir Angst.

Nach der Mittagspause lagen in unserem Zimmer schon Fragebögen die wir ausfüllen mussten, was mir sehr schwer viel da  ich wieder sehr an alles erinnert wurde.

Nach ungefähr 2 Std war der erste Bogen ausgefüllt und ich bekam sofort die nächsten Bögen. Ich sprach mit den Menschen die uns aufgenommen hatten und sagte ihnen das es mir nicht gut dabei ginge so an die Ereignisse erinnert zu werden. Mir wurde nur gesagt die Bögen müssten ausgefüllt werden - das wäre halt so.

Nach einer weiteren Stunde des Ausfüllens  konnte ich nicht mehr und lies es für diesen Tag gut sein.  So verging der erste Tag das Abendessen konnte ich leider nicht einnehmen da mir es schon wieder unmöglich war mich in der  Kantine aufzuhalten. So verging Tag eins der Kur und ich versuchte zu schlafen was mir leider nicht gelang, die ungewohnte Umgebung und das schnarchen meines Zimmerkollegen, sowie die Wärme im Zimmer tat ihr übriges.

Als ich um ein Uhr immer noch nicht schlafen konnte wollte ich ein wenig frische Luft schnappen, da merkte ich das die Türen nach draußen alle verschlossen waren. Ich versuchte jemand zu finden was mir nach einer halben Stunde auch endlich gelang.

Ich schaute ins Aufsichtszimmer und da SCHLIEF die Aufsichtsperson tief und fest, so dass ich mich mehrere male  bemerkbar machen musste .( ein Glück das in dieser Nacht nichts passiert ist das Aufsichtspersonal hätte gar nichts mitbekommen) So konnte ich nach einer langen Zeit endlich ein wenig an die frische Luft -  was mir auch sehr gut tat.

Endlich wurde es 7 Uhr und ich versuchte als erster in der Kantine zu sein da ich dachte es wären dann nicht so viel Menschen da, aber innerhalb von 10 min war der Raum wieder voll, so dass ich mich nicht mehr dort aufhalten konnte.

Danach ging es zur Blutentnahme und sonstigen Tests so wie am ersten Tag es hieß man müsste herausfinden in was für eine  Gruppe man eingeteilt werden würde.

So verging auch der zweite Tag und wieder kam eine Nacht in der ich noch keine 2 Std schlafen konnte. Am dritten Tag war ich  nachmittags so kaputt vom vielen Bögen ausfüllen und Unteersuchungen, dass ich mit einem Psychologen reden wollte. Als ich darum bat wurde mir gesagt das es im Moment nicht möglich wäre und ich sollte morgen noch mal nachfragen

 - und so was in einer Klinik  Aber ich brauchte doch dringend ein Gespräch da es mir sehr schlecht ging. Ich muss wohl ein wenig laut gewesen sein in der halben Stunde den auf einmal hatte ich einen Zettel an meiner Zimmertür ich sollte gleich zum Psychologen. Dieser sagte  mir von vorneherein  „Wir wollen ja nicht das es ihnen gut geht ,wir wollen sie zuerst mal ganz nach unten bringen um mich danach wieder aufzubauen“

Von diesem Moment an war mein Vertrauen in diesen Mann weg und ich konnte mich ihm  nicht mehr anvertrauen  was ich ihm auch sagte. 

Wenig später wurde ich zum Chef gerufen der mir erklärte wie es in der Klinik laufen würde und das ich mich anzupassen hätte.

So vergingen die ersten Tage in denen weder Anwendungen noch sonst was gemacht wurde von ein paar warmen Bäder abgesehen lief gar nichts. Zwischendurch wurde man noch zum Sport eingeteilt Zirkeltraining mit diversen Sprüngen, Hüpfen auf der Stelle usw. bestimmt hatten die Herrschaften vergessen meine Krankenakte zu lesen, denn sonst hätten sie gewusst welche Verletzungen ich hatte und das ich viele Beschwerden mit meiner Wirbelsäule habe.

Aber schon wieder war ich derjenige der sich gegen das Klinikum auflehnte.

Es ging mir immer schlechter, so wurde es Freitag und es wurde gar nichts mehr gemacht.

Als ich der Stationsschwester erzählte, dass ich - da ich meinen Wagen da hatte - ja auch nach Hause fahren könnte, wurde mir kurze Zeit später eine Meldepflicht auferlegt. Ich musste  mich dreimal am Tag auf der Station melden  7:30 Uhr, 11:55 Uhr und 19:00 Uhr ,so dass es mir nicht mehr möglich war nach Hause zu fahren

So ging es weiter  Montags wurden wir in verschiedene Gruppen aufgeteilt und ich musste das mir zugeteilte Zimmer verlassen . Ich bekam ein Einzelzimmer im 3. Stock und die Gruppenräume waren im 1. Stock, so dass ich viel Treppen steigen musste, was meinem gebrochenen Knie nicht besonders gut tat. Somit hatte ich nicht nur Schwierigkeiten mit meiner Psyche, sondern auch noch körperliche Beschwerden.

Es fanden Gruppengespräche statt, die bei einer Anzahl von 20 Leuten in 2 Std durchgezogen wurden. Dieses wiederum empfand ich mehr belastend als nützlich, da man nie die Zeit hatte sich richtig auszutauschen - wie ich das von der Nachsorgegruppe gewohnt war

Als ich mittags mal wieder ziemliche Schmerzen im Knie hatte ging ich zum Stationsarzt der mir 10 Stangenbäder verschrieb.Am selben Tag meldete ich mich noch an und bekam für den nächsten Tag eine Behandlung die mir auch sehr gut tat. Die 2. Anwendung hatte ich 2 Tage später und als ich in die Bäderabteilung kam sagt die Leiterin sie hätten ein Problem ich dachte es seien Terminverschiebungen und ich sagte ich komme etwas später vorbei.

Nur das Problem war dass die Badewanne in der Bäderabteilung erneuert wurde und die Abteilung für Wochen nicht benutzbar war. Ich hatte 10 Anwendungen verordnet bekommen und eine habe ich bekommen. Ich ging wieder gefrustet zum Arzt und wollte mir Massagen verschreiben lassen. Dieser sagte mir  durch den Ausfall der Bäderabteilung wäre die Masseurin dermaßen überlastet, dass für die nächsten Wochen Massagen nicht möglich wären. Das war auch das letzte Gespräch über Anwendungen gewesen. Zornig ging ich in mein Zimmer zurück vielleicht habe ich die Tür ein wenig zu fest zugemacht auf jedenfall musste ich diesmal zur Chefin dieser Abteilung und es wurde mir wiederum gesagt, dass sie sehr gute Therapienerfolge hätten man müsste nur  tun was einem gesagt wurde

Während diesem Gespräch bekam ich eine Panikattacke und die gute Frau blieb nur ruhig sitzen  - ich dagegen dachte ich müsse sterben. Sie sagte auch das sie Verständnis für meine Lage hätte aber man müsse darüber hinwegkommen.

Einen Tag später bekam ich wieder eine neue Psychologin die mir sofort sagte „Wir machen sie hier nicht zum Rentner“ was wiederum einem Faustschlag ins Gesicht gleich kam. Dies war ja gar nicht mein Ziel, sonst hätte ich in den letzten Jahren nicht fast 400 Bewerbungen geschrieben. Nun wurden wieder Test durchgeführt diesmal am Computer wo man immer bestätigen sollte was auf einen zutraf. Da auch Fragen dabei waren die gar nicht auf meine Problematik zutraf, meldete ich mich und mir wurde in einem schroffen Ton gesagt man muss alles ausfüllen. Als ich sagte das die doch das Ergebnis verfälschen würde, wurde ich wieder angefahren ich sollte weitermachen. Als weitere Fragen dieser Art kamen erging es mir genau so.  Da ich merkte das diese Art des Befragens nicht zu einem ehrlichen Ergebnis führen konnte bestätigte ich alle weiteren Fragen, ohne sie überhaupt zu lesen, mit ja und war so in kürzester Zeit fertig und hatte ein Problem weniger

Vielleicht sei noch zu erwähnen das diese Tests – laut Aussage der Klinik - nun schon ca. 50 Jahre alt sind und teilweise von Amerika übernommen wurden, wobei die Übersetzung nicht gut ist

Aber das scheint keinen zu interessieren ( Aufwachen ihr Psychologen die Zeiten ändern sich die Unglücke und Katastrophen  muss man anders bewerten ) Neue Zeitalter bringen auch neue Erkenntnisse mit sich!!!

So vergingen die Tage in der Kur und das einzige das ich noch hatte war mich mit den Menschen auszutauschen die ich in der Kur kennen gelernt hatte. Was mir auch sehr gut tat, sonst hätte ich diese Kur schon früher beendet. Weiter ging es mit der Kur bei der ich pro Tag  3 Anwendungen hatte Gruppengespräch und Einzeltherapie 

Zu dieser Zeit also Ende der dritten Woche bat ich darum am Samstagmorgen, da sowieso keine „Gespräche „ stattfanden, zu dem Treffen der Ramstein Nachsorgegruppe in Speyer reisen zu dürfen. Dieses wurde sofort von der Stationsschwester abgelehnt, worauf ich sagte dass ich doch hinfahren werde ob es ihnen passt oder nicht. Noch keine 10 Min später musste ich zur Leiterin der Abteilung die mir erklären wollte warum ich nicht fahren könne

Sie sagte das mit der Nachsorgegruppe ist nichts für mich , ich wäre sowieso die ganzen Jahre nicht richtig behandelt worden und das man Traumas nur in ihrer Klinik behandeln könne, aber der Patient müsse auch mitarbeiten und alles tun was man ihm sagt.

Da platze mir der Kragen und ich sagte das Dr Jatzko und sein Team mir und sicherlich vielen anderen Menschen über die schweren Monate und Jahr ihre Energie geopfert haben um uns OPFERN beizustehen.

Dr. Jatzko war zu uns gekommen, wenn andere ihr Wochenende angetreten haben.

Ich ließ es mir nicht ausreden nach Speyer zu fahren und beharrte darauf.

Nach diesem Gespräch musste ich noch beim Arzt vorbei der mir sagte ich müsse etwas ruhiger werden und er mir ein paar Tabletten geben wollte die mich beruhigen.

Ich lehnte dankend ab wonach er es mit Nachdruck versuchte.

Ich sagte nein und verließ den Raum

Ich fuhr nach Speyer und erlebte einen Tag mit der Nachsorgegruppe welcher mir bestätigte das dies der RICHRIGE Weg für mich ist

Als ich Samstagsabends in die Klinik zurückkam wurde ich aufgefordert einen Bericht zu schreiben dies lehnte ich ab, denn für mich stand fest das ich Montags diese Klinik verlassen würde. Koste es was es wolle dieses TAT  ICH  AUCH.!!!!!!!

Fazit:

Nach drei Wochen in einer Psychsosmatischen  Klinik hatte ich 8 Kilo abgenommen, war depressiver als zuvor und habe heute 18 Monate nach der Kur noch Probleme, so dass ich seit beenden der Kur wöchentlich wieder in einer Traumagruppe bin - übrigens unter Leitung von Hartmut und Sybille Jatzko

Warum muss man so mit Menschen die schlimmes erlebt haben umgehen ?? Kann man nicht ein wenig auf den Menschen eingehen und versuchen ihn nicht zu zwingen Dinge zu tun die er nicht tun will.

Lasst sie ihr Leben, Leben, auch wenn das  Einschränkungen mit sich bringt. Man muss nicht unbedingt auf Flughäfen gehen oder zu Operationen oder Massenveranstaltungen usw.

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